Damit liegt die Forderung in Baden-Württemberg deutlich über anderen Tarifgebieten (220–250 Euro). Sie entspräche 9,32 Prozent mehr im Verkäufereckgehalt und knapp 14 Prozent im Einstiegsgehalt. Ver.di verweist auf gestiegene Lebenshaltungskosten und begründet dies insbesondere mit dem Energiepreisschock – ein Faktor, der jedoch auch die Unternehmen und ihre Leistungsfähigkeit aktuell stark belastet. Viele Betriebe kämpfen bereits mit erheblich gestiegenen Kosten. Die im Bundesvergleich auffällig hochgeschraubte überdurchschnittliche Forderung im Tarifbezirk Baden-Württemberg sorgte in der ersten Tarifrunde für intensive Diskussion und stellt für die Arbeitgeberseite keinen geeigneten Einstieg in die Verhandlungen dar. Aus diesem Grund vertagte sich die Runde erst auf den 8. Juni (nach den Pfingstferien).
Dr. Philip Merten, Vorsitzender der Tarifkommission Baden-Württemberg, appellierte an die Tarifkommission von Ver.di: „Wir haben unser Interesse deutlich gemacht, einen tragfähigen tarifpolitischen Kompromiss zu vereinbaren, der von allen Handelsunternehmen erwirtschaftet werden kann und die Existenz von Unternehmen und Arbeitsplätzen nicht gefährdet. Die aktuellen Forderungen in Baden-Württemberg erscheinen uns abgehoben und so weit von der Realität im Handel entfernt, dass sie derzeit nicht als Basis für den Einstieg in ein konstruktives Gespräch taugen. Wir erwarten von der Gewerkschaftsseite jetzt ein klares Signal, dass sie an ernsthaften Verhandlungen interessiert ist und auch dazu bereit ist, die problematische wirtschaftliche Lage des Handels wieder einzublenden.“
Sabine Hagmann, Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands Baden-Württemberg, wies auf die prekäre Lage hin, in der sich der Einzelhandel derzeit befindet: „In der aktuellen wirtschaftlichen Lage und angesichts trüber Aussichten gefährdet Ver.di Unternehmen und Arbeitsplätze. Das ist auch nicht im Interesse unserer Mitarbeitenden. In Baden-Württemberg bauen derzeit bereits viele Wirtschaftszweige - vor allem die Automobil- und Zulieferindustrie – massiv Stellen ab. Das wird weitere negative Auswirkungen auf den Konsum und damit auf die Umsätze der Handelsunternehmen haben und muss mitberücksichtigt werden. Baden-Württemberg steht an zweitletzter Stelle der wirtschaftlichen Entwicklung aller Bundesländer.“
Info für die Medien:
Nach Verhandlungsschluss stehen Ihnen der Vorsitzende der Tarifkommission, Dr. Philip Merten, Telefon 0151 55121940 sowie die Hauptgeschäftsführerin des Handelsverbands, Sabine Hagmann, Telefon 0163 7486420, für Auskünfte und O-Töne zur Verfügung.
27.04.2026