27.04.2020

Umfrage: Massiver Umsatzeinbruch und Kundenrückgang nach Wiedereröffnung für Händler im Südwesten

In den ersten Tagen nach Wiedereröffnung der Geschäfte in Baden-Württemberg beklagen die Händler massive Umsatzeinbrüche von bis zu 80 Prozent und eine stark verringerte Kundenfrequenz. In einer Kurz-Umfrage des Handelsverbands Baden-Württemberg (HBW) unter mehr als 200 Händlern in Baden-Württemberg bewertete eine deutliche Mehrheit (75 Prozent) den Umsatz in den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung mit „ausreichend“ oder „sehr schlecht“.

Die seit diesem Montag (27. April) geltende Maskenpflicht, die der Handel ausdrücklich befürwortet und voll unterstützt, belaste die Branche zusammen mit den umfassenden, notwendigen Hygienemaßnahmen finanziell zusätzlich, sagte Verbandspräsident Hermann Hutter

Die Mehrheit der befragten Händler (72 Prozent) konnte in den ersten Tagen nach der Wiedereröffnung nur eine ausreichende oder sehr schlechte Kundenfrequenz verzeichnen. Dazu passen die neusten Zahlen des Instituts für Weltwirtschaft (IfW), das seit Beginn der Corona-Krise Kundenströme in zahlreichen deutschen Innenstädten misst. Demnach liegt die Zahl der Innenstadt-Passanten massiv unter dem unter dem normalerweise für Mitte April zu erwartenden Niveau. Das Unternehmen High Street, das die Kundenfrequenzen in Großstädten überprüft, stellte am vergangenen Donnerstag (23. April) auf der Stuttgarter Königsstraße insofern lediglich nur noch knapp ein Drittel des sonstigen Besucherstroms fest. „Aus Gesichtspunkt des Infektionsschutzes eine gute Rückmeldung. Aus Handelsgesichtspunkten zeigt es, dass noch ein weiter Weg zur Normalisierung vor uns liegt“, kommentierte Hagmann die Zahlen.

Herausgefordert werde der Einzelhandel derzeit zusätzlich durch die zahlreich verordneten Hygienemaßnahmen, wie zum Beispiel die seit diesem Montag (27. April) geltende Maskenpflicht in Baden-Württemberg in Läden und im ÖPNV.

„Der Händler ist nicht nun verpflichtet, seine Mitarbeiter mit Masken auszustatten“, sagte Hagmann. „Darüber hinaus hat er erhebliche Hygienemaßnahmen durchzuführen, wie zum Beispiel die Installation von Plexiglasscheiben, die Desinfektion von Einkaufswagen und Körben am Haltegriff, um nur ein einige zu nennen, nicht zu vergessen die Einlasskontrollen. Diese Maßnahmen seien mit erheblichen Kosten verbunden.“
„Über einen Entschädigungsfond für den Handel zum Ausgleich der Schäden , insbesondere den Umsatzeinbrüchen von 100 Prozent während der Zwangsschließungen und 70 bis 80 Prozent nach Wiedereröffnung im Durchschnitt bei gleichbleibenden oder teils sogar höheren Kosten, müssen wir uns unterhalten“, betonte Hagmann.

Seit Wochen fordert der Verband einen staatlichen Entschädigungsfonds für den durch die Corona-Krise schwer getroffenen Einzelhandel. Erst in der vergangenen Woche hatte er in einem Brief an die Landesregierung dringend gefordert, eine staatliche Garantie auch für den zwangsgeschlossenen Einzelhandel für eine Entschädigungsleistung für den eingetretenen Schaden auszurufen.

Vorbild ist ein neuer Nothilfefonds für die Gastronomie. Damit sollen Insolvenzen, die mittlerweile drohen, verhindert und Strukturen bewahrt werden. Das begrüßt und unterstützt der Handel, der dieselben Strukturen wie die Gastronomie hat und der zusammen mit der Gastronomie und der Kultur die Attraktivität der Innenstädte ausmacht.

„Genau dieselbe Situation besteht im Einzelhandel“, schrieb der Verband, „auch hier stehen viele Tausende von Unternehmen, die in den letzten Monaten keinen Umsatz, aber erhebliche laufende Kosten und Ausgaben hatten, vor dem Ende ihrer Existenz. Auch die nächsten Monate werden geprägt sein von den coronabedingten Einschränkungen und von niedrigen Umsätzen im gesamten Non-Food Einzelhandel. .So erwartet beispielsweise der Textileinzelhandel durchschnittliche Umsatzverluste von über 50 % für das gesamte Jahr 2020.

„Insgesamt ist mit Tausenden Insolvenzen im mittelstandsgeprägten Einzelhandel in Baden-Württemberg zu rechnen.so Hagmann weiter.
Positiv reagierten die befragten Händler in der Umfrage auf die Zusammenarbeit mit den örtlichen Behörden, die unter anderem die Einhaltung der Hygieneschutzmaßnahmen überprüfen.

Die Mehrheit (77 Prozent) der befragten Unternehmen berichtete daher auch von „guten bis befriedigende Erfahrungen in Zusammenarbeit mit Ordnungsämtern“.

„An die Schutzauflagen halten sich alle Händler!“, versicherte Hagmann erneut. So sei der Infektionsschutzschutz der Bevölkerung in Lebensmittelgeschäften und anderen systemrelevanten Betrieben immer gewährleistet gewesen in den vergangene Wochen. „Der Einkauf vor Ort ist und bleibt gesundheitlich bedenkenlos. Der Schutz von Kunden und Mitarbeitern und Bevölkerung steht bei allem an aller erster Stelle“. so Präsident Hutter weiter.
Zusammen mit den noch sehr zurückhaltenden Frequenzen erneuerte der Verband daher auch seine Forderung, die Öffnung der Geschäfte von der Einhaltung der Hygienemaßnahmen abhängig zu machen und nicht von der Größe.

„Wir fordern eine diskriminierungsfreie Öffnung der Verkaufsflächen. Allein die Einhaltung von Infektionsschutzmaßnahmen kann die richtige Bezugsgröße sein. Daran lassen wir uns auch messen“, so Hutter.
Für die Unternehmen, die nicht öffnen können, zählt jeder Tag, so Hagmann. So hätten die Unternehmen Umsatzverluste in den Tagen der Schließung von 100 Prozent zu verzeichnen, seit der teilweisen Wiedereröffnung registrieren Sie im Schnitt immer noch ein Umsatzminus 80 Prozent im  Vergleich zum Vorjahr.
„Hier lebt die Hoffnung, dass sich diese Zahlen schnell bessern, denn wenige Unternehmen werden dieses Minus lange durchhalten können“, sagte Hutter abschließend.

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